Forschung

» Last updated on 4. April 2017 - 11:12. | Originally submitted on 7. June 2005 - 15:57.

Forschungsschwerpunkte

  • Das karolingische Frankenreich
  • Deutschland bis 1500
  • Kirchengeschichte (Papst- und Konziliengeschichte)
  • Italien im Hoch- und Spätmittelalter
  • Historiographie
  • Stadtgeschichte
Mönchsgruppe

Laufende und kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekte

Promotionsverbund „Osten und Westen 400–600“

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold, Prof. Dr. Irmgard Männlein-Robert (Philologisches Seminar), Prof. Dr. Mischa Meier (Abteilung für Alte Geschichte)

Projekthomepage: Promotionsverbund "Osten und Westen 400–600"

Prosopographie des gallischen Episkopats (400–700) (DFG-Projekt)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold

Projektbeschreibung: Die Bischöfe Galliens erwarben in der Übergangszeit zwischen Spätantike und Frühmittelalter weltliche Herrschaft über ihre civitates. In dieser Phase liegen die Wurzeln jener langfristigen Entwicklung, in deren Verlauf Bischöfe zu mächtigen Figuren im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mitteleuropa aufstiegen. Entsprechend intensiv hat die Forschung diskutiert, auf welche Weise Bischöfe zwischen ca. 400 und 700 zur Herrschaft gelangten. Bei aller Uneinigkeit im einzelnen gehen sämtliche jüngeren Erklärungsansätze davon aus, daß „die“ senatorische Aristokratie das Bischofsamt in Gallien im Laufe des 6. Jahrhunderts quasi „monopolisiert“ habe. Diese Annahme beruht jedoch nicht auf einer neueren, systematischen Prosopographie der rund 1500 historisch nachweisbaren Bischöfe im Gallien der Transformationszeit, sondern auf der Analyse von Einzelfällen, von denen auf die Sozialstruktur des gesamten Episkopats zurückgeschlossen wird. Den älteren prosopographischen Arbeiten zur sozialen Elite dieser Zeit liegt eine Definition des (senatorischen) Adels zugrunde, die nicht mehr dem heutigen Forschungsstand entspricht; und manche dieser Studien haben die Beweiskraft von Personennamen für die Verwandtschaft zwischen Personen überschätzt. Das beantragte Projekt verfolgt daher drei Ziele: Es soll die weitere Forschung auf eine solide prosopographische Basis stellen, ein differenzierteres Bild von der Sozialstruktur und den Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb des Episkopats in Gallien zwischen 400 und 700 entwerfen und auf diese Weise die bisherigen Erklärungsmodelle für die Ausbildung weltlicher Bischofsherrschaft in Gallien modifizieren.

DFG Kolleg-Forschergruppe „Migration und Mobilität in Spätantike und Frühmittelalter“

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold, Prof. Dr. Sebastian Schmidt-Hofner (Seminar für Alte Geschichte), Prof. Dr. Mischa Meier (Seminar für Alte Geschichte), Dr. Paolo Tedesco (DFG Kolleg-Forschergruppe)

Projekthomepage: DFG Kolleg-Forschergruppe „Migration und Mobilität in Spätantike und Frühmittelalter“

Nomen et Gens

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold

Projektbeschreibung: „Nomen et Gens“ ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, in dem Sprachwissenschaftler und Historiker der Universitäten Duisburg-Essen, Hamburg, Magdeburg, Paderborn, Regensburg, Saarbrücken und Tübingen zusammenarbeiten. Ziel des Projekts ist es, die Transformation der römischen Welt zwischen der Spätantike und dem Frühmittelalter besser zu verstehen. Dafür werden zum einen Personennamen als bisher noch wenig beachtete kulturhistorische Quellen der Forschung verfügbar gemacht. Zum anderen wird eine Prosopographie der kontinentaleuropäischen Barbarenreiche vom 4. bis zum 8. Jahrhundert erarbeitet. Herzstück des Projekts ist eine Datenbank mit Informationen zur Onomastik und Prosopographie Kontinentaleuropas im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter. Die Daten wurden seit Mitte der 1990er Jahre dezentral gesammelt. Sie werden zur Zeit zusammengeführt, vereinheitlicht und bereinigt. In naher Zukunft sollen sie der Öffentlichkeit über das Internet zugänglich gemacht werden.

Priester in der Karolingerzeit

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold

Projektbeschreibung: Die sogenannte „Correctio“ im Frankenreich des 9. Jahrhunderts zielte nicht allein auf die geistige Elite ab. Sie strebte vielmehr eine tiefere Verchristlichung aller Mitglieder der ecclesia, eine gottgefälligere Lebensweise aller Christen im Karolingerreich an. Eine wichtige Nahtstelle zwischen den Zielen des Hofes und der politischen Eliten auf der einen Seite und dem populus christianus auf der anderen bildeten die (Land-)Pfarrer: Sie erhielten deshalb eben im 9. Jahrhundert ein klareres Profil. Ziel des Projekts ist es, die Ausbildung dieser Gruppe von Geistlichen genauer zu erfassen. Um ihre Ausbildung und ihr Wissen präziser als bisher zu rekonstruieren, sollen systematisch die Lehr- und Handbücher analysiert werden, die im 9. Jahrhundert für Pfarrer geschaffen wurden. Zugleich sind im Rahmen des Projekts aber auch überkommene Forschungsmodelle zur kirchlichen Ordnung auf dem Lande zu hinterfragen: Hierzu gehören insbesondere die im späten 19. Jahrhundert entwickelten Begriffe der „Eigenkirche“ und der „église privée“.

Ressource Mensch: Sicherung agrarischer Arbeitskraft und bedrohte Herrschaftsordnungen zwischen 300 und 900 n. Chr. (SFB 923)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold, Prof. Dr. Sebastian Schmidt-Hofner (Seminar für Alte Geschichte), Prof. Dr. Mischa Meier (Seminar für Alte Geschichte)

Projekthomepage: SFB 923

Teilprojekt E02 untersucht, wie die spätantik-frühmittelalterlichen Eliten die in jener Epoche latent stets vorhandene Bedrohung ihrer sozioökonomischen Machtgrundlagen durch Mangel an agrarischer Arbeitskraft bewältigten. Im Mittelpunkt steht dabei ein zentrales Instrument dieses re-ordering, nämlich rechtliche Regularien zur Unterbindung der sozialen und räumlichen Mobilität agrarischer Arbeitskräfte. Im Projekt sollen vergleichend drei Phasen untersucht werden, die eine entsprechende Bedrohungskommunikation und zugehörige Praktiken des re-ordering in signifikanter Verdichtung aufweisen: die Jahre um 375, um 530 und um 830.

Edition der karolingischen Kapitularien

Ansprechpartner Tübingen: Prof. Dr. Steffen Patzold

Edition der falschen Kapitularien des Benedictus Levita

Ansprechpartner: Prof. Dr. Gerhard Schmitz, Dr. Veronika Lukas
Projekthomepage: <http://www.benedictus.mgh.de/>

Projektbeschreibung: Die kritische Edition der um die Mitte des 9. Jahrhunderts im Kreis der pseudoisidorischen Fälscher verfertigte, drei Bücher mit insgesamt mehr als 1700 Kapiteln umfassende ‚Kapitulariensammlung‘ des Benedictus Levita, die sich als Fortsetzung der wesentlich kleineren Collectio des Abtes Ansegis von Fontanelle ausgibt, hat eine lange und leidvolle Geschichte.

Immer noch fußt die Wissenschaft auf der 1677 erschienenen Ausgabe von Étienne Baluze, die für ihre Zeit eine exzellente Leistung darstellt, aber heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt.

Die im Rahmen der Leges-Edition der Monumenta 1837 erschienene Ausgabe ist im Grunde nichts anderes als ein überarbeiteter Nachdruck der Baluzianischen: Pertz lag an der Edition Benedicts nicht sonderlich viel, u.a. weil er meinte, dessen Sammlung habe im Gegensatz zu der des Ansegis „in Deutschland nie öffentliche Geltung gehabt“. Deshalb beschränkte er sich darauf, den jungen Ludwig Bethmann mit einem Vergleich der Baluze noch unbekannten Gothaer Handschrift I 84 und Friedrich Heinrich Knust mit einer Quellenanalyse zu beauftragen. So wollte er Baluzes Ausgabe, von der er im übrigen eine hohe Meinung hatte, „notdürftig ... berichtigen“ und ansonsten „der Nachwelt überlassen, darin mehr zu tun“. Das Ergebnis war ein merkwürdiger Mischtext, der im ganzen nicht besser ist als der von Baluze gebotene, teilweise sogar hinter ihm zurückbleibt.

Es war deshalb unstrittig, daß die Sammlung Benedicts zu den dringenderen Editionsdesiderata gehörte, als die Zentraldirektion eine Neuedition beschloß, nachdem die Folio-Ausgaben vergriffen waren und namentlich die Untersuchungen von Alfred Boretius die Revisionsbedürftigkeit der Pertzschen Ausgaben deutlich gemacht hatten. Aber weder Boretius noch der als sein Nachfolger vorgesehene, hoch begabte Victor Krause sind bis zur Sammlung Benedicts überhaupt vorgestoßen. Krause starb, über den Korrekturen des Registers zum zweiten Kapitularienband sitzend, 1896 im Alter von nur 31 Jahren.

Die Zentraldirektion übertrug die Editionsaufgabe noch im selben Jahr Emil Seckel, damals junger Privatdozent an der Berliner Universität. Seckel hat bis zu seinem Tode 1924 an Benedict gearbeitet: Er hat Bahnbrechendes auf dem Gebiet der Quellenkritik geleistet, aber die Edition selbst hat er nicht mehr in Angriff genommen. Seckels ‚Nachfolger‘ Josef Juncker hat die quellenkritischen Studien weitergeführt, aber auch er ist in den Ansätzen zur Edition stecken geblieben. Immerhin: auf ihn dürften jene merkwürdigen Probeblätter zurückgehen, die als „schedulae pseudoisidorianae“ im Archiv der Monumenta erhalten sind.

Der nach Junckers Tod 1938 mit der Fortführung beauftragte Johannes Hollnsteiner hat nichts Erkennbares mehr für die Edition geleistet, und so starb schließlich das ganze Projekt. Horst Fuhrmann stellte 1972 lakonisch fest: „Eine Neuausgabe der Kapitulariensammlung des Benedictus Levita im Rahmen der MG ist zur Zeit nicht vorgesehen“.

Erst 1998 hat die Zentraldirektion eine Wiederaufnahme des Editionsplanes beschlossen: Geplant ist sowohl eine Buch- wie eine elektronische Version. (Schmitz)

Von karolingischer Ordnung zur „société féodale“? Bedrohte Ordnung und re-ordering um 900 (SFB 923)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold/Dr. des. Annette Grabowsky

Projekthomepage: SFB 923

Teilprojekt F02 untersucht, wie in der bedrohten Ordnung des zerfallenden Karolingerreichs um 900 Akteure in drei Regionen weltliche und kirchliche Rechtstexte einerseits und historische Erinnerung andererseits als Ressourcen des re-ordering mobilisierten. Das Projekt geht davon aus, dass Rechtstexte und historische Erinnerung wesentlich waren für die Bewältigungspraxis, zugleich aber in der Manuskriptkultur um 900 nicht ohne weiteres zur Verfügung standen: Sie mussten erst im Rückgriff auf Manuskripte durch Exzerpieren, Kompilieren usw. hergestellt werden, damit sie ihrerseits für die Mobilisierung von Akteuren für die Bewältigungspraxis zur Verfügung standen.

Raum und Politik: Wahrnehmung und Praxis im Frankenreich und in seinen Nachfolgereichen vom 9. bis zum 11. Jahrhundert (DFG-Projekt)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold

Projekthomepage der französischen Partner: Espace et politique

Projektbeschreibung: Die deutsche und die französische Mediävistik hegen unterschiedliche Grundannahmen über das Verhältnis von Raum und politischer Macht im frühen und hohen Mittelalter: Die französische Forschung geht davon aus, daß die Macht von Königen, aber auch von Bischöfen und weltlichen Großen wie Herzögen und Grafen auch schon vor dem 12. Jahrhundert territorial radiziert gewesen sei, sich also auf bestimmte Räume mit mehr oder minder klar umrissenen Grenzen bezogen habe. Dagegen nimmt die deutsche Forschung überwiegend an, daß erst im 12. Jahrhundert ein Prozeß der Territorialisierung eingesetzt habe, aus dem schließlich im Spätmittelalter ein neues Verhältnis von Herrschaft und Raum erwachsen sei. Diese gegensätzlichen Annahmen haben weitreichende Konsequenzen für mindestens zwei aktuelle Forschungsfelder: Sie beeinflussen tiefgreifend die Sicht der deutschen und französischen Forschung auf die staatliche Verfaßtheit des Karolingerreiches und deren weitere Entwicklung in den Nachfolgereichen östlich wie westlich des Rheins bis zum 12. Jahrhundert; und sie wirken sich auf die Modelle aus, mit denen Mediävisten aus beiden Ländern zur Zeit die politische Praxis im Mittelalter beschreiben. Angesichts dessen verfolgt dieses deutsch-französische Projekt das Ziel, genauer zu ermessen, inwieweit die unterschiedlichen Geschichtsentwürfe lediglich auf divergierende nationale Forschungstraditionen zurückzuführen sind – und inwieweit sie in historischen Unterschieden in der politischen Praxis und der Vorstellungswelt in den verschiedenen Regionen gründen. Um diese Frage zu beantworten, sollen zwei methodische Herangehensweisen miteinander kombiniert werden: Zum einen gilt es, mit einem historiographiegeschichtlichen Zugriff die unterschiedliche Entwicklung der einschlägigen deutschen und französischen Arbeite n seit dem späten 19. Jahrhundert zu analysieren. Zum anderen soll in zwei transnational vergleichenden Regionalstudien – zu S c hwabe n und zur Provence sowie zu Sachsen und Septimanien – der Frage nachgegangen werden, wie die Zeitgenossen politisch bedeutsame Räume in ihrer Wahrnehmung und Deutung sowie durch ihr Handeln in der Praxis konstituierten.

Regino von Prüm, Sendhandbuch

Leitung und Ansprechpartner: Prof. Dr. Wilfried Hartmann

Projektbeschreibung: Innerhalb der Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe ist 2004 eine zweisprachige Ausgabe des kirchenrechtlichen Werkes von Regino von Prüm (entstanden um 906) erschienen. Es werden außerdem Vorarbeiten für eine neue kritische Edition dieses Werkes betrieben.

History of Medieval Canon Law

Ansprechpartner und Beteiligte: Prof. Dr. Wilfried Hartmann und Kenneth Pennington, Beiträger: über 50 Gelehrte aus Deutschland, USA, Kanada, England, Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland

Mittelgeber: National Endowment for the Humanities (USA); Gerda-Henkel-Stiftung; Humboldt-Stiftung (Transcoop)

Projektbeschreibung: Bereits seit mehreren Jahren wird ein mehrbändiges Handbuch zur Geschichte des Kirchenrechts im Mittelalter vorbereitet, das sukzessive in englischer Sprache erscheint.

Promotionsverbund „Burg und Adel“

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold, Prof. Dr. Sigrid Hirbodian (Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften), Prof. Dr. Klaus Ridder (Deutsches Seminar), Prof. Dr. Jörn Staecker (Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters)

Projekthomepage: Promotionsverbund „Burg und Adel“

Aufruhr in Städten und geistlichen Institutionen: Das „Zeitalter des Investiturstreits“ in europäischer Perspektive (SFB 923)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Steffen Patzold

Projekthomepage: SFB 923

Das Teilprojekt A01 untersucht vergleichend Aufruhr in Städten und in geistlichen Gemeinschaften im deutschsprachigen Südwesten des Reiches, im Anjou und in Oberitalien in den Jahren um 1100. Ziel ist es, 1) differenziertere Erklärungen für Härte und Dauer des „Investiturstreits“ zu finden, 2) den sozialen Wandel der Jahre um 1100 als europäisches Phänomen jenseits von nationalen Meistererzählungen zu erfassen und 3) die mediävistische Konfliktforschung durch Überwindung der Dichotomie von Moderne und Vormoderne methodisch weiterzuentwickeln.

Prekarie, Leibding, feudum: Vorsorge, Versorgung, und die Dichotomie der Gesellschaft nördlich der Alpen, 11.–14. Jahrhundert

Ansprechpartner: Dr. Marco Veronesi

Zusammenfassung: Während sich die Mediävistik bisher mit den verschiedenen Formen der karitativen Armenfürsorge im Früh- und Hochmittelalter beschäftigte, wurden Formen der individuellen Vorsorge für Alter, Krankheit oder Armut bisher kaum beachtet. Ältere Ansätze, die in den früh- und hochmittelalterlichen Prekarien die Vorläufer der spätmittelalterlichen ,Leibdinge‘ oder ,Leibrenten‘ erblickten und ihre Verwendung bei wohlhabenden Schichten zwischen Adel und Bauern sahen, fielen einer sich im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierenden Scheidung zwischen ,höheren‘ und ,niederen‘ Leiheformen und einer damit einhergehenden dichotomischen Sichtweise auf die mittelalterliche Gesellschaft zum Opfer. In deren Gefolge wurde nur noch das ,höhere‘ Lehnswesen oder aber die ,Grundherrschaft‘ in den Blick genommen, während prekarische Leihen in diesem Modell pauschal den bäuerlichen Leihen zugeschlagen oder überhaupt nicht mehr beachtet wurden. Damit führt das Thema der individuellen Vorsorge mitten in die seit Susan Reynolds Fiefs and Vasalls von 1994 geführten Diskussionen um die Entstehung des Lehnswesens, in deren Gefolge vor allem in der deutschsprachigen Forschung die Prekarie nicht mehr nur als prototypisches Lehen, sondern als noch im Hochmittelalter verbreitete Vertragsform mit hoher ökonomischer und sozialer Relevanz in den Blick genommen wurde. Gleichzeitig wurden Prekarien in der jüngsten Forschung wiederholt mit ,kleineren‘ Formen von Lehen, etwa Kammer-oder Rentenlehen, in Verbindung gebracht, die unter dem Aspekt der ,Versorgung‘ betrachtet werden können. Das Ziel der Projekts besteht damit in einer grundlegenden Untersuchung der Formen von Vorsorge und Versorgung vom 11. bis zum 14. Jahrhundert und deren Verortung in einem inzwischen unter neuen Vorzeichen betrachteten, für die frühere Zeit sich gar völlig auflös enden ,Lehnswesen‘.

Summary: Precariae, life annuities, and feuda: Provision, maintenance, and the dichotomy of society north of the alps, 11th–14th century: Medievalists in Germany as in other countries have done a great deal of research on the different forms of charity in the Early and High Middle Ages, yet they did not consider any forms of individual ,provision‘, i. e. measures regarding the sustenance for one's old age or for cases of invalidity and poverty. Older approaches, which recognized the early-medieval precaria as a precursor of late­medieval life annuities (Leibding, Leibgeding), fell victim to the model of a bipartite, dichotomic society, established in the 19th century. This model separated a higher, vasallitic feudalism from a rural, mean system of land tenure (the ,Grundherrschaft‘) in which the precaria didn't fit anymore. In this regard the research field of individual provision leads directly to the debates about Susan Reynolds work Fiefs and Vasalls from 1994. In the wake of this study the precaria was recognized as not being a mere prefiguration of the later fiefs, but a contractual form on his own, being still in use during the High Middle Ages, with significant impact on economy and society. As recently a strong affinity between the precariae and many ,lesser‘ forms of fiefs is claimed, i. e. the so­called ,Rentenlehen‘, whose beneficiaries have been neither peasants nor any noblemen, these ,lesser‘ forms of fiefs will be equally object of the study. They will be considered under the perspective of feudal or lordly ,maintenance‘. The aim of the study thus consists of a thoroughgoing investigation of the forms of ,provision‘ and ,maintenance‘ from the 11th to the 14th centuries and the social role they played in a recently disintegrating concept of feudalism.

Welfische Hofordnungen bis 1600

Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Ellen Widder

Kurzbeschreibung: Hofordnungen sind in den vergangenen Jahren als ein Mittel zur Erkenntnis des Funktionierens spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Höfe in das Blickfeld der Forschung geraten. In Kooperation mit der Residenzenkommission an der Göttinger Akademie der Wissenschaften und dem Lehrstuhl für niedersächsische Landesgeschichte an der Universität Göttingen soll in der nächsten Zeit ein Repertorium der welfischen Hofordnungen geschaffen werden.

Publikationen:

  • Widder, E.: Hofordnungen im Niedersächsischen Reichskreis, in: Höfe und Hofordnungen 1200–1600, hg. v. Holger Kruse und Werner Paravicini, Sigmaringen 1999 (Residenzenforschung 10), S. 457–495.
  • Widder, E.: Alltag und Fest an welfischen Höfen des 15. und 16. Jahrhunderts, in: Niedersächsisches Jahrbuch 72 (2000), S. 11–43.
  • Widder, E.: Der Amberger Hof 1474. Entstehung und Funktion der ältesten kurpfälzischen Hofordnung, in: Manipulus florum. Festschrift für Peter Johanek zum 60. Geburtstag, hg. v. Ellen Widder, Mark Mersiowsky und Maria Leuker, Münster 2000, S. 271–306.

Heinrich VII.

Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Ellen Widder

Projektbeschreibung: Für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft ist ein Biographie des Kaisers Heinrich VII. (*1278/79, gest. 1313) in Arbeit.

Publikationen:

  • Widder, E.: Mons imperialis, Baldenau, Karlstein. Bemerkungen zur Namengebung luxemburgischer Gründungen, in: Studia Luxemburgensia. Festschrift Heinz Stoob zum 70. Geburtstag, hg. v. Friedrich Bernward Fahlbusch und Peter Johanek, Warendorf 1989 (Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit 3), S. 233–284.

Die Bedrohung politisch-sozialer Ordnungen im 14./15. Jahrhundert. Dynastische Brüche (SFB 923)

Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Ellen Widder

Projekthomepage: SFB 923

Das Teilprojekt untersucht die Bedrohung der politisch-sozialen Ordnung im Zusammenhang mit dynastischen Brüchen im Spätmittelalter. Anhand vergleichender Studien wird jeweils auf der geographischen Makro- und Mikroebene untersucht, welche Formen von Bedrohung durch das Fehlen legitimer Erben von Herrschern entstanden, wie diese kommuniziert wurden und welche Konsequenzen sich aus den Bedrohungssituationen ergaben.

Regesta Imperii – Regestenkommission Arbeitsstelle Papstregesten

Leitung und Ansprechpartner: Prof. Dr. Klaus Herbers, Dr. Karin Baaken, Dr. Karl-Augustin Frech, Dr. Ulrich Schmidt, Prof. Dr. h. c. Dr. phil. Dr. theol. Harald Zimmermann
Weitere Informationen im Internet: Homepage der Regesta Imperii mit einem Überblick über die Arbeitsstellen

Mittelgeber: Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz; Land Baden-Württemberg

Projektbeschreibung: Die von dem Frankfurter Stadtbibliothekar J. F. Böhmer (1795–1863) begründeten Regesta Imperii haben sich zu einem Hauptquellenwerk der abendländischen Geschichte des Mittelalters entwickelt und bilden damit die unverzichtbare Grundlage jeder wissenschaftlichen Geschichtsforschung. Angestrebt wird die historisch-kritische Aufarbeitung aller uns schriftlich überlieferten Geschichtsquellen. Den Schwerpunkt in Tübingen bildet die Arbeit an den Papstregesten in karolingischer, salischer und staufischer Zeit. Über den jeweils aktuellen Stand informieren der Anzeiger der phil.-hist. Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und das Jahrbuch der Mainzer Akademie der Wissenschaften.