Workshop: „Geboren, um zu herrschen?“ Gefährdete Dynastien im interdisziplinären und interkulturellen Kontext

» Zuletzt aktualisiert: 15. November 2012 - 16:21 | Eingetragen: 15. November 2012 - 16:17.

Datum, Ort:
07./08. Dezember 2012, Alte Aula, Veranstaltungssaal, Münzgasse 30, 72070 Tübingen

Die Habsburger, die Kims, die Quandts oder die Buddenbrooks – „Dynastie“ klingt nach Geschichte, nach Tradition und Erbe, nach Patriarchen und Heiratspolitik. Keineswegs aber ist die Frage nach der Dynastie ein bloß historisches Problem. Dynastien gab es zu allen Zeiten und es gibt sie heute noch. Eine große Anzahl von Staaten wird gegenwärtig von Dynastien regiert, Traditionsunternehmen sind seit Generationen in der Hand eines Familienverbandes, und auch in Wissenschaft und Kultur begegnen Dynastien. Dabei steht die Organisationsform der Dynastie seit jeher vor besonderen strukturell bedingten Herausforderungen: Kinderlosigkeit, Konkurrenz unter Familienmitgliedern und äußere Einflüsse gefährden die dynastische Kontinuität in vielfältiger Weise.

Der zweitägige Workshop führt Vertreter mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen aus dem In- und Ausland zusammen, um diesen Zusammenhängen auf den Grund zu gehen. Wie nehmen Mitglieder von Dynastien und Außenstehende dynastische Bedrohungen wahr und wie artikulieren sie diese? Gibt es über Zeiten und Räume hinweg wiederkehrende Strategien, die eigene Dynastie zu sichern, den Gefahren des eigenen Aussterbens wirksam entgegen zu treten? Welche Akteure, Ereignisse und Prozesse wirken von außen auf die Dynastie ein? Welche kurz- und langfristigen Folgen haben Bedrohungssituationen für Dynastien und für die jeweils übergeordnete politisch-soziale Ordnung?

Um diesen Fragen nachgehen zu können, ist zugleich nach den konstitutiven Merkmalen von Dynastien in unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu fragen: Welche Rolle spielen dynastisches Bewusstsein, Selbst- und Fremdzuschreibungen oder auch Zielsetzungen und Aufgabenverteilungen innerhalb eines Familienverbandes für die Konstituierung und Beschaffenheit einer Dynastie? Welchen Einfluss haben äußere Rahmenbedingungen, etwa das Erbrecht oder das Wirtschaftssystem?

Ziel des Workshops ist, Fallbeispiele dynastischen Wirkens vergleichend zu untersuchen und im Sinne der interdisziplinären Ausrichtung des SFB 923 Forschungsansätze zu Dynastien aus Geschichts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Rechts- und Kulturwissenschaften zu diskutieren. So werden durch die Auseinandersetzung mit dynastischen Brüchen als Bedrohung politisch-sozialer Ordnungen in verschiedenen Kulturen und Epochen überzeitliche Grundmuster und kontextgebundene Spezifika zentraler Kategorien des SFBs, insbesondere von Ordnung, Bedrohung und Bewältigungshandeln, exemplarisch herausgearbeitet.

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