Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2009/2010

» Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2010 - 15:44 | Eingetragen: 17. Juli 2009 - 10:02.

Die Anmeldung zu den Seminaren erfolgt über das Campus-System (Regelungen für die Online-Anmeldung). Bei Fragen zur Online-Anmeldung wenden Sie sich bitte an: gha-inf1[at]uni-tuebingen.de

Vorlesungen | Einführungsveranstaltung | Repetitorium | Übungen | Proseminare | Hauptseminare | Kolloquien und Oberseminare

Vorlesungen

Prof. Dr. Peter Hilsch
Lebensformen im Mittelalter
2 st., Di 08:00–10:00
Beginn: 27.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: HS, Keplerstr. 2. Es können zu dieser Vorlesung maximal 40 Vorlesungsprüfungen (nur im Grundstudium) abgelegt werden.

Inhalt: Diese einführende Überblicksvorlesung soll anhand einiger ausgewählter Themen die  Rahmenbedingungen für das Leben von Menschen verschiedener sozialer Schichten im Mittelalter darstellen, wie sie durch Mentalitäten, gesellschaftliche Ordnungen und Sachkultur gegeben sind: z.B. Zeit und Raum in der Vorstellung der Zeit, das Königtum und der Adel, Bischöfe und Kirchenorganisation, Klöster und Orden, Rittertum und Kreuzzugsbewegung, jüdisches Leben, Burgenbau des Hochmittelalters, Stadt und Stadtbürger, Ketzer (Katharer, Waldenser und Hussiten), Bergbau und Bergleute. Die Ereignisgeschichte tritt hierbei zurück (dazu wird das Repetitorium von Herrn Priv.Doz. Dr. Karl Ubl empfohlen).

Literatur: Peter Hilsch, Das Mittelalter – die Epoche. Konstanz ²2008 (Weitere Literatur in der Vorlesung).

Prof. Dr. Steffen Patzold
Die Staufer
2 st., Fr 10:00–12:00
Beginn: 06.11.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: HS, Keplerstr. 2.

Inhalt: Könige und Kaiser aus der Familie, die wir als „Staufer“ bezeichnen, herrschten im 12. und 13. Jahrhundert. Aus der Perspektive des 19. Jahrhunderts bildete diese Phase (und zumal die Herrschaft Friedrichs Barbarossa und Friedrichs II.) einen Höhepunkt mittelalterlicher Kaiserherrlichkeit: eine Blütezeit, die aber mit dem Interregnum abrupt ein Ende gefunden habe und in den „Niedergang“ des Spätmittelalters eingemündet sei. So wirkmächtig diese Sicht in populären Darstellungen auch immer noch ist – die Forschung hat sie mittlerweile gründlich hinterfragt und ein neues Bild von Europas Mitte im 12. und früheren 13. Jahrhundert entworfen. Die Vorlesung möchte vorführen, wie sich dieser Wandel in der Forschung vollzogen hat und welche Konsequenzen er zeitigt für unser Bild der Staufer und ihrer Zeit.

Literatur: Görich, Knut: Die Staufer. Herrscher und Reich (C.H. Beck Wissen / Beck’sche Reihe 2393), München 2006; Boshof, Egon: Europa im 12. Jahrhundert. Auf dem Weg in die Moderne, Stuttgart 2007.

Prof. Dr. Sönke Lorenz
Der deutschsprachige Südwesten im 12. und 13. Jahrhundert
2 st., Mi 16:00–18:00
Beginn: 28.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: HS, Keplerstr. 2.

Inhalt: Im Zeitraum vom 11. zum 13. Jahrhundert erhielt der deutsche Südwesten ein neues Gesicht. Nicht nur bedingt von der Krise des Königtums, das im Investiturstreit zentrale Positionen einbüßte, begann der Territorialisierungsprozeß um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert seine Dynamik zu entwickeln. Nutznießer dieses historischen Prozesses waren neben den Staufern auch etliche südwestdeutsche Dynasten, deren Herrschaftsauf- und -ausbau nachzuzeichnen ist. Zudem entwickelte sich eindrucksvoll eine Städtelandschaft von beachtlicher wirtschaftlicher und kultureller Ausstrahlung.

Literatur: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Bd. 1, Allgemeine Geschichte, Teil 1, hg. von Meinrad Schaab u. Hansmartin Schwarzmaier, Stuttgart 2001; Helmut Maurer, Der Herzog von Schwaben. Grundlagen, Wirkungen und Wesen seiner Herrschaft in ottonischer, salischer und staufischer Zeit, Sigmaringen 1978.

Prof. Dr. Ellen Widder
Kultur- und Alltagsgeschichte im Spätmittelalter
2 st., Do 10:00–12:00
Beginn: 29.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: HS, Keplerstr. 2.

Inhalt: Seit dem 19. Jahrhundert hat man in der Geschichtswissenschaft die Kulturgeschichte als eigenen Forschungsbereich parallel zur (vorherrschenden) Politik- und Verfassungsgeschichte verstanden und betrieben. Seit den 1960er Jahren kam die Alltagsgeschichte als historisches Forschungskonzept hinzu, anfänglich verstanden im Sinne einer „Geschichte von unten“, dann aber mit einer Annäherung an kulturwissenschaftliche Fragestellungen. In jüngerer Zeit wird im Fach Geschichte ein Kulturgeschichtsbegriff propagiert, der sich in Abgrenzung von den älteren Konzepten als „Neue Kulturgeschichte“ versteht. Diese bezieht sich nicht (mehr) auf bestimmte Sachverhalte, sondern richtet eine kulturgeschichtliche Perspektive auf alle historischen Gegenstände, darunter auch „klassische“ wie eben Recht, Verfassung und Politik. Diese werden verstanden als Ergebnisse kommunikativer Prozesse und konkurrierender Geltungsansprüche, sind daher alles andere als statisch, sondern historisch veränderlich. In dieser Vorlesung sollen für die Zeit des Spätmittelalters (13.-15. Jahrhundert) ältere und neuere Konzepte behandelt und an ausgewählten Beispielen (Hof, Stadt, Land, Gesellschaft, Kirche u.a.) aufgezeigt und diskutiert werden.

Literatur: Schorn-Schütte, Luise: Karl Lamprecht. Kulturgeschichtsschreibung zwischen Wissenschaft und Politik. Göttingen 1994; Schubert, Ernst: Alltag im Mittelalter. Natürliches Lebensumfeld und menschliches Miteinander, Darmstadt 2002; Spätmittelalter am Oberrhein. Alltag, Handwerk und Handel 1350–1525. Katalogband, hg. v. Harald Siebenmorgen; Aufsatzband, hg. v. Sönke Lorenz und Thomas Zotz, Stuttgart 2002; Landwehr, Achim/Stockhorst, Stefanie: Einführung in die Europäische Kulturgeschichte, Paderborn 2004; Maurer, Michael: Kulturgeschichte. Eine Einführung, Köln 2008.

Vorlesungen | Einführungsveranstaltung | Repetitorium | Übungen | Proseminare | Hauptseminare | Kolloquien und Oberseminare

Einführungsveranstaltung (Übung im Sinne der ZPO)


Epochenübergreifende Einführung in Theorie und Methode der Geschichtswissenschaft
Lehrende aller Abteilungen des Historischen Seminars
2 st., Mi 08:00–10:00
Beginn: 28.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: HS Keplerstr. 2 HS 22, Kupferbau. Anmeldung online 1.-7.September 2009. Übung im Sinne der in der ZPO geforderten Veranstaltung aus dem Bereich Theorien/Historiographiegeschichte/Methodenlehre. Für BA-Studierende Teil des Grundmoduls I.

Inhalt: „Der Glaube an einen festen Kern historischer Fakten, die objektiv ... bestehen, ist ein lächerlicher, aber nur schwer zu beseitigender Trugschluss.“ (E. H. Carr) Diese Äußerung deutet an: Was Geschichte ist und womit sich die Geschichtswissenschaft befasst, kann kontrovers beantwortet werden. Die als Vortragsreihe verschiedener Lehrender aller Abteilungen des Historischen Seminars konzipierte Einführungsveranstaltung greift diese Fragen in einer Art Grundkurs auf: Welche Geschichtsbilder kursierten in den unterschiedlichen Epochen? Wann und warum entstand die Geschichtsschreibung? Welche Formen der Historiographie haben sich seit der Antike herausgebildet? Im Anschluß daran werden die wichtigsten Ansätze der modernen Geschichtswissenschaft vorgestellt. In der letzten Sitzung findet eine Klausur als schriftliche Leistung im Sinne der ZPO / des Grundmoduls I statt.

Literatur: Lesehausaufgaben zur Vor- und Nachbereitung der einzelnen Sitzungen werden auf der ILIAS-Plattform der UB-Tübingen als PDF-Dokumente bereitgestellt. Näheres wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

Vorlesungen | Einführungsveranstaltung | Repetitorium | Übungen | Proseminare | Hauptseminare | Kolloquien und Oberseminare

Repetitorium

PD Dr. Karl Ubl
Hoch- und Spätmittelalter (1050–1500)
3 st., Do 13:00–16:00
Beginn: 29.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: Verfügungsgebäude Raum 001 Wilhelmstr. 19. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Ziel der Veranstaltung ist es, einen Überblick über die Ereignisgeschichte des europäischen Hoch- und Spätmittelalters zu geben und in die Grundstrukturen der Epoche einzuführen.

Literatur: M. Borgolte, Europa entdeckt seine Vielfalt: 1050–1250 (Handbuch der Geschichte Europas 3, 2002); M. North, Europa expandiert: 1250–1500 (Handbuch der Geschichte Europas 4, 2007); Oldenbourg Lehrbuch Geschichte: Mittelalter, hg. von M. Meinhardt u.a. (2007); P. Hilsch, Das Mittelalter – die Epoche (UTB basics, 2006).

Vorlesungen | Einführungsveranstaltung | Repetitorium | Übungen | Proseminare | Hauptseminare | Kolloquien und Oberseminare

Übungen (im Sinne der ZPO)

Prof. Dr. Mischa Meier /Prof. Dr. Steffen Patzold
Antike und Mittelalter im Film
2 st., Mi 10:00–14:00
Beginn: 28.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Anmeldung online 1.-7.September 2009. Ort: Übungsraum 10, Alte Physik.

Inhalt: Kino- oder Fernsehfilme prägen heute wie kaum ein anderes Medium Geschichtsbilder – dies gilt in besonderem Maße für die Antike und das Mittelalter, deren filmische Präsentation seit dem unerwarteten Erfolg von Gladiator (USA 2000) nicht nur zu einer Renaissance des Antikfilms (und einer Zunahme an Mittelalterfilmen) geführt, sondern auch die Geschichtswissenschaften auf das Thema ‚Geschichte im Film‘ verwiesen hat; dementsprechend hat die einschlägige, bis dahin eher spärliche Forschungsliteratur im letzten Jahrzehnt erheblich zugenommen.Als Handlungsinhalte oder als Kulisse vermitteln Filme Fakten und Interpretationen über den historischen Kontext ihrer Handlung. Die Historie wird dabei mit den unterschiedlichsten Zielsetzungen in Dienst genommen: So kann sie etwa zur Verfremdung, zur Nostalgisierung oder zur Warnung herangezogen werden. Filmische Vorstellungen über frühere Epochen oder über vergangene Lebenswelten haben oft genug stereotypen Charakter, indem sie auf pauschales historisches Allgemeinwissen zurückgreifen, dessen Bestätigung einen nicht unerheblichen Anteil am Publikumserfolg und am Zuschauerinteresse ausmacht – Geschichtserzählung aus dem Kino scheint daher eher konservativ zu sein. Solche Funktionalisierungen von Geschichte im Film stehen im Mittelpunkt des geplanten Kurses. Seine leitenden Fragestellungen zielen einerseits auf die Geschichtsbilder, die Filme von diesen beiden Epochen zeichnen, andererseits auf die spezifischen Darstellungselemente des Mediums, die dazu eingesetzt werden. Nach einer einführenden Diskussion über die theoretischen und methodischen Grundlagen des Themas werden wir gemeinsam einschlägige Filme ansehen und anhand vertiefender Referate kommentieren.

Literatur: Ulrich Eigler (Hg.), Bewegte Antike. Antike Themen im modernen Film, Stuttgart 2002; Rainer Rother (Hg.), Bilder schreiben Geschichte: Der Historiker im Kino, Berlin 1991; M. Meier/S. Slanicka (Hgg.), Antike und Mittelalter im Film. Konstruktion – Dokumentation – Projektion, Köln/Weimar/Wien 2007.

Prof. Dr. Ellen Widder
Mittelalterliche Bildquellen für Historiker
2 st., Mo 10:00–12:00
Ort: Raum 201
Beginn: 26.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Anmeldung online 1.-7. September 2009.

Inhalt: Die Geschichtswissenschaft unterscheidet drei grundsätzliche Quellentypen, die über die Vergangenheit Auskunft zu geben in der Lage sind, nämlich Schrift-, Bild- und Sachquellen. Allerdings galt als „klassischer“ Quellentyp lange Zeit ausschließlich die Schriftquelle, während die Bildquellen der Kunstgeschichte und die Sachquellen – sofern nicht kunsthistorisch bedeutsam – der Archäologie und der Volkskunde bzw. der Empirischen Kulturwissenschaft zugewiesen wurden. Nach ersten Anstößen im 19. und 20. Jahrhundert und in einer Gegenwart, in der Bilder immer stärker als Kommunikations- und Informationsmedien in den Vordergrund rücken, hat man sich ihnen auch im Fach Geschichte verstärkt zugewandt. In dieser Übung sollen sowohl die Forschungsgeschichte wie auch der Umgang mit Bildern als historische Quellen behandelt und an ausgewählten Beispielen diskutiert werden.

Literatur: Brigitte Tolkemitt/Rainer Wohlfeil (Hgg.): Historische Bildkunde. Probleme – Wege – Beispiele (Zeitschrift für historische Forschung, Beiheft 12), Berlin 1991; Pictura quasi fictura. Die Rolle des Bildes in der Erforschung von Alltag und Sachkultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit (Veröffentlichungen des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Diskussionen und Materialien 1), Wien 1996; Heike Talkenberger: Historische Erkenntnis durch Bilder. Zur Methode und Praxis der Historischen Bildkunde, in: Hans-Jürgen Goertz (Hg.), Geschichte. Ein Grundkurs, Reinbeck bei Hamburg 1998, S. 83–98; Bernd Roeck: Das historische Auge. Kunstwerke als Zeugen ihrer Zeit. Von der Renaissance zur Revolution, Göttingen 2004; Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht. Typen, Interpretationsmethoden, Unterrichtsverfahren, 3. Aufl. Seelze-Velber 2007.

Harald Sellner, M. A.
Zwischen Cluny und Citeaux: Der monastische Aufbruch um 1100
2 st., Mi 10:00–12:00
Ort: Raum 201
Beginn: 21.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Latein- und Französischkenntnisse vorausgesetzt. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Die Zeit um 1100 wird im monastischen Bereich gerne als eine Zeit des Umbruchs bezeichnet: Neben die burgundische Abtei Cluny, die in jenen Jahren zu ihrer absoluten Blüte kam, traten neue monastische Strömungen. Von diesen erlangten im Laufe des 12. Jahrhunderts zweifelsohne die Zisterzienser die größte Bedeutung. Dass das Mönchtum um 1100 allerdings ein weitaus vielfältigeres Gebilde war, als es die ältere Forschung gerne suggerierte, soll das Thema dieser Übung sein. Die Lektüre von ausgewählten Quellen und einschlägiger Sekundärliteratur zielt darauf ab, den Studierenden nicht nur die Zeit des monastischen Aufbruchs um 1100 näher zu bringen, sondern auch in wichtige und aktuelle Forschungskontroversen einzuführen.

Literatur: Literatur: Giles Constable, The reformation of the twelfth century, Cambridge 1996. Steffen Patzold, Die monastischen Reformen in Süddeutschland am Beispiel Hirsaus, Schaffhausens und St Blasiens, in: Canossa 1077 – Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik, Band 1. Essays,  hg. von Christoph Stiegemann, München 2006, S.199–208. Joachim Wollasch, Cluny – „Licht der Welt”. Aufstieg und Niedergang der klösterlichen Gemeinschaft, Zürich, Düsseldorf 1996.

Dr. Olga Keller
Die deutsche Ostsiedlung des Mittelalters als Problem der europäischen Geschichte. Rechtstransfer in Mittel- und Osteuropa
2 st., Di 08:00–10:00
Ort: Raum 201
Beginn: 20.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Die Übung steht Studierenden aller Semester offen. Russisch-, polnisch-tschechisch- und andere Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Welche Rolle hat die deutsche Ostsiedlung in der europäischen Geschichte gespielt? Welchen Antrieben und welchen Zielen ist sie mit ihren Kräften in den einzelnen Phasen gefolgt? Von welchen historisch politischen Voraussetzungen ist sie dabei jeweils bestimmt worden? Diese und andere Fragen stellen wir uns in der ersten Seminarhälfte, da die deutsche Ostsiedlung seit Jahrzehnten zu den besonders umstrittenen Gegenständen  der mittelalterlichen Geschichte gehört.  In der zweiten Seminarhälfte geht es um die Verbreitung bzw. Rezeption des deutschen Rechtes während der Ostkolonisation. Die Rechtsordnungen vieler ostmitteleuropäischer Staaten beruhen in erheblichem Maße auf Quellen des deutschen Rechts, die seit dem Spätmittelalter in Städte und Landschaften Ostmitteleuropas übernommen, regional-spezifisch bearbeitet, teilweise in die Landessprachen übersetzt und im Rechtsalltag angewendet wurden. Zu diesem immensen Verbreitungsgebiet gehören Städte und Landschaften in den heutigen Staaten Polen, Tschechien, Slowakei, Litauen, Estland, Lettland, Weißrussland, Rumänien, Ungarn und Ukraine.

Literatur: Higounet, Charles. Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter, Berlin 1986; Quirin, K. Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter. 2. Aufl., Göttingen; Zürich 1986; Saxon Mirror and Magdeburg Law – The Groundwork for Europe. Begleitheft zu der Ausstellung des Landes Sachsen-Anhalt: Sachsenspiegel und Magdeburger Recht, Magdeburg 2005; Schulze, Hans K. Siedlung, Wirtschaft und Verfassung im Mittelalter : ausgewählte Aufsätze zur Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Köln; Weimar; Wien 2006.

Dr. des. Marco Veronesi
Quellenlektüre zur Geschichte Englands im Hochmittelalter
2 st., Di 12:00–14:00
Ort: Raum 201
Beginn: 27.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Im Mittelpunkt der Übung wird eine Reihe narrativer Texte zur Geschichte Englands im Hochmittelalter stehen. Ihnen sollen die dokumentarischen Quellen gegenübergestellt werden und außerdem Glaubwürdigkeit, Gehalt und Signifikanz der einzelnen Quellengattungen erörtert werden.

Literatur: Wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

Vorlesungen | Einführungsveranstaltung | Repetitorium | Übungen | Proseminare | Hauptseminare | Kolloquien und Oberseminare

Proseminare (inklusive obligatorischem Tutorium)

Prof. Dr. Steffen Patzold / Annette Grabowsky
Die Kaiserkrönung Karls des Großen
3 st., Di 10:00–13:00
Ort: Raum 228
Beginn: 20.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich. Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Die Kaiserkrönung Karls des Großen gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Ereignissen des (frühen) Mittelalters. Die Vorgänge am Weihnachtstag des Jahres 800 wie auch die Geschehnisse im Vorfeld sowie die Folgen haben in den Quellen nicht nur reichen, sondern auch widersprüchlichen Niederschlag gefunden. Auch die Forschung hat bei ihrer Bewertung in vielen Punkten bis heute keinen Konsens erreicht. Daher eignet sich dieses Thema bestens für eine Einführung in zentrale Probleme und Methoden der mittelalterlichen Geschichtsforschung.

Literatur: Zu Arbeitstechniken und Methodik: Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719, Stuttgart 32006); Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren (UTB basics 2575, Konstanz 22007); Einführung in das Thema: Matthias Becher, Karl der Große (Beck’sche Reihe. Beck Wissen 2120, München 52007); Rosamond McKitterick, Karl der Große (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, Darmstadt 2008). Weitere Literatur wird im Seminar bekannt gegeben.

Prof. Dr. Steffen Patzold
Konflikte und Kriege im Frankenreich der späten Karolingerzeit
3 st., Mi 08:00–10:00
Ort: Raum 119A
Beginn: 28.10.2009
Mi 12:00–13:00
Ort: Raum 119A
Beginn: 28.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich.  Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Das spätere 9. und frühe 10. Jahrhundert ist eine Zeit bedrohter Ordnung: Innere Unruhen und Konflikte, aber auch Kriege gegen äußere Feinde – Normannen, Sarazenen, Ungarn – gefährden nicht nur akut das Leben vieler Menschen, sondern erschüttern auch etablierte Ordnungen wie das Klosterwesen und das Monopol der Karolinger auf legitime Herrschaft. Das Proseminar geht der Frage nach, wie die Zeitgenossen diese Bedrohungen durch Konflikte und Kriege wahrnahmen und wie sie auf sie reagierten. Dabei soll das Thema allerdings in erster Linie dazu dienen, in die wichtigsten Hilfsmittel, Arbeitsformen und Methoden der mittelalterlichen Geschichte einzuführen und einen ersten Überblick über die Historischen Hilfswissenschaften zu vermitteln.

Literatur: Zu Arbeitsweisen und Methoden: H.-W. Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719), Stuttgart 32006; zur Einführung in die Ereignisgeschichte der Karolingerzeit: R. Schieffer, Die Karolinger (Urban-Taschenbücher 411), 4., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart/Berlin/Köln 2006.

Dr. des. Thomas Kohl
Der Investiturstreit in Europa
3 st., Do 10:00–13:00
Ort: Raum 201
Beginn: 22.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich. Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Die epochalen Konflikte zwischen geistlicher und weltlicher  Macht, die die Jahrzehnte um 1100 kennzeichnen, werden zumeist als  „Investiturstreit“ bezeichnet, auch wenn es um weit mehr als nur die  Einsetzung von Bischöfen ging. Sie stehen im Zusammenhang mit einer  europaweiten Bewegung zur Reform der Kirche seit der Mitte des 11.  Jahrhunderts. Deshalb reicht die traditionelle Konzentration auf  Kaiser und Päpste nicht aus und es muss ganz Europa in den Blick  genommen werden.

Literatur: Zu Arbeitstechniken und Methodik: Hans-Werner Goetz,  Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719, Stuttgart 32006);  Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren (UTB basics  2575, Konstanz 22007), Zum Thema: Johannes Laudage/Matthias Schrör  (Hg.), Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch –  deutsch) (UTB 2769, Köln u.a. 22006), Wilfried Hartmann, Der  Investiturstreit (Enzyklopädie Deutscher Geschichte 21), München 32007

PD Dr. Karl Ubl
Der erste Kreuzzug – Gruppe 1
3 st., Mo 08:00–10:00
Ort: Raum 201
Beginn: 26.10.2009
Mo 12:00–13:00
Ort: Raum 201
Beginn: 26.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich. Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Der erste Kreuzzug steht wie kein anderes Ereignis für die einsetzende Expansion Europas im Hochmittelalter, aber auch für den Beginn der erbitterten Gegnerschaft zwischen Christentum und Islam. Ziel des Proseminars ist es, die Motive, den Anlaß und die Ereignisgeschichte des ersten Kreuzzugs zu analysieren und exemplarisch in Quellen, Methoden und Arbeitstechniken der mittelalterlichen Geschichte einzuführen.

Literatur: M. Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren (2004); N. Jaspert, Die Kreuzzüge (42008); J. Riley-Smith, Wozu heilige Kriege? Anlässe und Motive der Kreuzzüge (2003).

PD Dr. Karl Ubl
Der erste Kreuzzug – Gruppe 2
3 st., Mo 13:00–14:00
Ort: Raum 201
Beginn: 02.11.2009
Fr 08:00–10:00
Ort: Raum 201
Beginn: 30.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich. Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Der erste Kreuzzug steht wie kein anderes Ereignis für die einsetzende Expansion Europas im Hochmittelalter, aber auch für den Beginn der erbitterten Gegnerschaft zwischen Christentum und Islam. Ziel des Proseminars ist es, die Motive, den Anlaß und die Ereignisgeschichte des ersten Kreuzzugs zu analysieren und exemplarisch in Quellen, Methoden und Arbeitstechniken der mittelalterlichen Geschichte einzuführen.

Literatur: M. Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren (2004); N. Jaspert, Die Kreuzzüge (42008); J. Riley-Smith, Wozu heilige Kriege? Anlässe und Motive der Kreuzzüge (2003).

Dr. Raphaela Veit
Roger II. von Sizilien – Normannenherrschaft zwischen Orient und Okzident
3 st., Mo 12:00–13:00
Ort: Raum 228
Mo 16:00–18:00
Ort: Raum 228
Beginn: 19.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich. Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Die Herrschaft der Normannen in Unteritalien und Sizilien war für das 11. und 12. Jahrhundert von herausragender Bedeutung. Normannische Grafen und Könige traten nicht nur wiederholt als bedrohliche Gegenspieler der deutschen Kaiser in Italien auf, sie prägten auch die Geschichte der Kreuzzüge entscheidend. Mit Roger II. (1095–1154) steht der Begründer des normannischen Königreichs von Sizilien im Mittelpunkt des Proseminars. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf der in der Forschungsliteratur stets beschworenen Rolle Rogers als Vermittler zwischen den Kulturen des Orients und des Okzidents liegen. Das Proseminar versteht sich als Einführung in das Studium der mittelalterlichen Geschichte und soll den Teilnehmern das notwendige Werkzeug zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Mittelalter an die Hand geben.

Literatur: Zu Arbeitstechniken und Methodik: Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter (UTB 1719, 3. Auflage, Stuttgart 2006); Martina Hartmann, Mittelalterliche Geschichte studieren (UTB basics 2575, Konstanz 2004); Einführung in das Thema: Theo Broekmann, Rigor iustitiae. Herrschaft, Recht und Terror im normannisch-staufischen Süden (1050 – 1250) (Darmstadt 2005). Huber Houben, Roger II. von Sizilien (Darmstadt 1997). Weitere Literatur wird im Seminar bekannt gegeben.

Dr. des. Marco Veronesi
England im Hochmittelalter
3 st., Mi 13:00–16:00
Ort: Raum 201
Beginn: 28.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich. Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet. Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Die Eroberung Englands durch Wilhelm, die Ermordung Thomas Becketts, die Ausfertigung der Magna Carta – diese (und andere) bedeutende Ereignisse verweisen auf grundlegende Probleme von Politik, Herrschaft, Recht und Verwaltung, welche die Geschichte Englands zwischen 1066 und 1215 bestimmten. Jene sollen im Seminar näher erörtert werden. Gleichzeitig ist das Seminar eine Einführung in Quellen, Methoden und Hilfsmittel der mittelalterlichen Geschichte

Literatur: The New Cambridge Medieval History Bd. IV/II, S. 191–216, Bd. V, S. 314–357; Hartmann, Martina: Mittelalterliche Geschichte studieren, Konstanz: UTB 2004.

Vorlesungen | Einführungsveranstaltung | Repetitorium | Übungen | Proseminare | Hauptseminare | Kolloquien und Oberseminare

Hauptseminare

Prof. Dr. Ewald Frie /Prof. Dr. Steffen Patzold
Adelskonzepte und Adelsgeschichte. Vom 9. ins 19. Jahrhundert und zurück
2 st., Mi 14:00–16:00
Ort: Raum 228
Beginn:
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Freie Plätze in Hauptseminaren finden Sie unter http://www.uni-tuebingen.de/alte-geschichte/OnlineanmeldungPhase2.pdf. An- und Abmeldung vom 15.-20.09.

Inhalt: Geschichte gibt es nur in der Gegenwart. Aber sie ist anders als die Gegenwart, weil sie zwar gegenwärtig, aber vergangen ist. In der Spannung von gegenwärtigem Beobachtungspunkt und fremder Geschichte lebt die Geschichtswissenschaft seit ihrer Verwissenschaftlichung. Rankes Wunsch, sein „Selbst gleichsam auszulöschen, und nur die Dinge reden, die mächtigen Kräfte erscheinen zu lassen“, blieb und bleibt unerfüllt. Das Seminar behandelt dieses Phänomen am Beispiel des Adels. Einerseits wird untersucht, welche Adelsbegriffe im 19. Jahrhundert entwickelt wurden und welche damals aktuellen Gegenwartsbedürfnisse mit diesen Begriffsprägungen verbunden waren. Andererseits wird geprüft, welche Geschichtsbilder im Zuge der Anwendung dieser Adelsbegriffe auf das 9. Jahrhundert entwickelt wurden. Die Mittelalterbilder, die so entstanden, wirkten weit in das 20. Jahrhundert hinein und sie wirkten auch auf die Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts zurück.

Literatur: Forschungsliteratur wird im Seminar gemeinsam besprochen. Vorausgesetzt wird ein Überblick über die Ereignisse und Strukturen des 9. und des 19. Jahrhunderts, etwa anhand von: Rudolf Schieffer Die Zeit des karolingischen Großreichs (714–887) (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte 2), 10. völlig neu bearb. Auf., Stuttgart 2005; ¨¨¨¨ – Zur Forschung zum mittelalterlichen Adel: Werner Hechberger, Adel im fränkisch-deutschen Mittelalter. Zur Anatomie eines Forschungsproblems (Mittelalter-Forschungen 17), Ostfildern 2005. Zum 19. Jahrhundert: Jürgen Kocka: Das lange 19. Jahrhundert. Arbeit, Nation und bürgerliche Gesellschaft (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte 13), 10. völlig neu bearb. Aufl. Stuttgart 2001 – Zum Adel im 19. Jahrhundert Monika Wienfort: Adel in der Moderne, Göttingen 2006.

PD Dr. Karl Ubl
Lex Salica. Genese, Inhalt und Rezeption eines frühmittelalterlichen Rechtsbuchs
2 st., Do 08:00–10:00
Ort: Raum 201
Beginn: 29.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Freie Plätze in Hauptseminaren finden Sie unter http://www.uni-tuebingen.de/alte-geschichte/OnlineanmeldungPhase2.pdf. An- und Abmeldung vom 15.-20.09.

Inhalt: Kaum ein anderer Rechtstext des Mittelalters war so einflußreich wie die Lex Salica. Entstanden im 5. Jahrhundert diente es als offizielles Rechtsbuch der Franken während der Herrschaft der Merowinger und Karolinger (6.-10. Jahrhundert). Im 14. Jahrhundert wurde es erneut nutzbar gemacht, um die dynastische Position der französischen Könige im Hundertjährigen Krieg zu legitimieren. Das Hauptseminar wird sich dieser Rezeptionsgeschichte zuwenden, aber auch die Genese und den Inhalt der Lex Salica in den Blick nehmen. Es wird deshalb von Seiten der Teilnehmer die Bereitschaft erwartet, lateinische Texte unter Verwendung hilfswissenschaftlicher Methode (Paläographie, Kodikologie) zu bearbeiten.

Literatur: Literatur wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

Prof. Dr. Gerhard Schmitz
Die süddeutschen Volksrechte: Lex Alamannorum und Lex Baiuvariorum
2 st., Fr 10:00–12:00
Ort: Raum 201
Beginn: 23.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Geplant ist ein sehr forschungsnahes Kolloquium. Vorausgesetzt, dass sich mindestens 10 Teilnehmer finden, ist vorgesehen, für die zweite Semesterhälfte den Münchener Rechtshistoriker Harald Siems als Mitveranstalter zu gewinnen. In diesem Fall werden mehrere Kompaktveranstaltungen stattfinden. Nähere Informationen auf Anfrage (gerhard.schmitz@uni-tuebingen.de). An- und Abmeldung vom 15.-20.09.

Inhalt: Die sog. „Volksrechte“ sind nicht nur allgemein für das Recht des Frühen Mittelalters von zentraler Bedeutung, sie bieten auch zahlreiche wichtige Informationen für die Sozial­struktur der „Stämme“ und andere Bereiche. Die süddeutschen Leges sind miteinander verwandt. Mit ihnen sind viel diskutierte Forschungsprobleme verbunden, die im Zentrum des Kolloquiums stehen sollen, z. B: Ist die Lex Alamannorum eine Fälschung? Wo entstand die Lex Baiuwariorum? Gab es eine „Lex Baiuwariorum canonice compta“?

Literatur: C. Schott, Lex Alamannorum und H. Siems, Lex Baiuvariorum, jew. in: HRG 2 (1972–78) Sp. 1879–1886 und 1887–1901. C. Schott, Der Stand der Leges-Forschung, in: Frühmittelalterliche Studien 13 (1979) S. 29–55. Ders., Lex und Skriptorium. Eine Studie zu den süddeutschen Stammesrechten, in: Dilcher, Gerhard; Distler, Eva-Marie (Hrsg.): Leges – Gentes – Regna. Zur Rolle von germanischen Rechtsgewohnheiten und lateinischer Schrifttradition bei der Ausbildung der frühmittelalterlichen Rechtskultur (2006) S. 257–290. P. Landau, Die Lex Baiuvariorum. Entstehungszeit, Entstehungsort und Charakter von Bayerns ältester Rechts- und Geschichtsquelle (SB München, 3, 2004).

Prof. Dr. Sönke Lorenz / Dr. Roman Janssen
Einführung in die Patrozinienkunde
2 st., Fr 16:00–18:00
Ort: Raum 405
Beginn: 30.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Freie Plätze in Hauptseminaren finden Sie unter http://www.uni-tuebingen.de/alte-geschichte/OnlineanmeldungPhase2.pdf. An- und Abmeldung vom 15.-20.09.

Inhalt: Neben der sprachwissenschaftlichen Analyse der Siedlungsnamen und der Interpretation der archäologischen Befunde bleibt als dritter methodischer Zugang in das so schriftarme Frühmittelalter die Patrozinienkunde zu nennen, für die die Historiker verantwortlich zeichnen. Seit langem ist bekannt, daß die älteste, noch der Merowingerzeit angehörende Schicht der in Alemannien zu beobachtenden Patrozinien – die Namen der Patrone, in deren Schutzherrschaft eine Kirche steht – von Martin, Maria, Petrus, Stephan und Michael dominiert wird. Was aber ist ein Kirchenpatron und welche Aufgaben hat er? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Patrozinienkunde ebenso wie mit jener nach den Aussagemöglichkeiten, die der Name eines Kirchenpatrons erlaubt. Als schwerwiegendes Problem erweist sich, daß die urkundlichen Erwähnungen von Patrozinien meist – mehr oder weniger zufällig – ihre erste Bezeugung dokumentieren, nicht ihre Herkunft und Entstehung. Wir wissen, daß es bei einem Besitzwechsel – wenn beispielsweise eine Kirche aus der Hand von König, Herzog oder Adel an ein Kloster gelangte – auch zu einem Patrozinienwechsel kommen konnte. So läßt sich diese Disziplin nur dann mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg betreiben, wenn sie niemals isoliert, sondern stets im Zusammenhang mit anderen Quellen und Befunden in die Untersuchung einbezogen wird.

Literatur: Adolf Angenendt, Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, München 1994; Ulrich Köpf, Christliche Kultorte als Zeugen der älteren Kirchengeschichte des Vinschgaus, in: Rainer Loose u. Sönke Lorenz (Hg.), König, Kirche, Adel. Herrschaftsstrukturen im mittleren Alpenraum und angrenzenden Gebieten (6.–13. Jahrhundert), Lana 1999, S. 53–95; Gerd Zimmermann, Patrozinienwahl und Frömm igkeitswandel im Mittelalter dargestellt an Beispielen aus dem alten Bistum Würzburg, Teil I, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 20 (1958), S. 24–126; Heinrich Feuerstein (†), Zur ältesten Missions- und Patroziniumskunde im alemannischen Raum. Ihre Wechselwirkung zur Siedlungsgeschichte und Rechtssymbolik, in: ZGO 97 (1949), S. 1–55; Gustav Hoffmann, Kirchenheilige in Württemberg (Darstellungen aus der Württembergischen Geschichte 23), Stuttgart 1932; Eugen Ewig, Der Martinskult im Frühmittelalter, in: ders., Spätantikes und fränkisches Gallien. Gesammelte Schriften (1952–1973), hg. von Hartmut Atsma, Bd. 2 (Beihefte der Francia, Bd. 3/2), München 1979, S. 371–392; Elmar Blessing, Patrozinien des Mittelalters (in Auswahl) (Beiwort zur Karte VIII,1a), in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg. Erläuterungen VIII,1–1a), Stuttgart 1975, S. 5–8.

Prof. Dr. Ellen Widder
Skandalöse Frauen im Spätmittelalter
2 st., Di 16:00–18:00
Ort: Raum 228
Beginn: 27.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Freie Plätze in Hauptseminaren finden Sie unter http://www.uni-tuebingen.de/alte-geschichte/OnlineanmeldungPhase2.pdf. An- und Abmeldung vom 15.-20.09.

Inhalt: Liest man die Geschichtsbücher, dann begegnen darin immer wieder Frauen, denen ein schlechter bis katastrophaler Ruf anhaftet. Während bei Männern vornehmlich herrscherliches Versagen das Nachleben negativ beeinflusst hat, ist die Situation bei Frauen komplexer. Um solche Deutungen und Bewertungen soll es in diesem Hauptseminar gehen. Damit verbunden ist die Frage, wann und wodurch sie entstanden sind, ob bereits zeitgenössisch oder vielleicht erst durch die Bewertung einer vornehmlich männlich bestimmten Geschichtswissenschaft. Angeregt von der angloamerikanischen Gender-Forschung soll dabei nach den Handlungsnormen und Handlungsspielräumen von Frauen in der mittelalterlichen Gesellschaft gefragt und Beispiele diskutiert werden, bei denen die Festlegung spezifisch weiblicher Zuordnungen und Tätigkeitsbereiche offenbar nicht funktioniert hat.

Literatur: Geschichte der Frauen, Bd. 2: Mittelalter, hg. v. Christiane Klapisch-Zuber, Frankfurt a.M. 1993; Ellen Widder: Skandalgeschichten oder Forschungdesiderate? Illegitime Verbindungen im Spätmittelalter aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive, in: „… wir wollen der Liebe Raum geben“. Konkubinate geistlicher und weltlicher Fürsten um 1500, hg. v. Andreas Tacke, Göttingen 2006 (Schriftenreihe der Stiftung Moritzburg 3), S. 38–92; Margarete „Maultasch“. Zur Lebenswelt einer Landesfürstin und anderer Tiroler Frauen des Mittelalters, hg. von Julia Hörmann-Thurn und Taxis, Innsbruck 2007 (Schlern-Schriften 339).

Prof. Dr. Sönke Lorenz / Dr. phil. Peter Andreas Rückert
Die Grafen von Württemberg (1265–1392) im Spiegel der Quellen
2 st., Mo 16:00–18:00
Ort: Raum 405
Beginn: 26.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Anmeldung online 1.-7.September 2009.

Inhalt: Die Herrschaft Württemberg hatte seit dem Ausgang der Stauferzeit etliche Krisen durchzustehen. Von Vorteil erwies sich anscheinend die lange Regierungsdauer der drei den Untersuchungszeitraum bestimmenden Grafen Eberhard I. (reg. 1279–1325), Ulrich III. (reg. 1325–1344) und Eberhard II. (reg. 1344–1392). Es entwickelten sich während dieser Zeit – in nicht immer deutlich faßbaren Prozessen – bereits neue Strukturen von Herrschaft und Verwaltung von grundlegendem Charakter. Im Seminar geht es besonders um die Quellengrundlage für weiterführende Untersuchungen jener bis heute nicht in allen Einzelheiten geklärten Vorgänge, die man gerne unter dem Etikett „Modernisierungsschub“ verallgemeinernd zusammenfaßt.

Literatur: Dieter Mertens, Württemberg, in: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Bd. 2: Die Territorien im Alten Reich, hg. von Meinrad Schaab und Hansmartin Schwarzmaier, Stuttgart 1995, S. 1–163; Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon, hg. von Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (†), Stuttgart 1997; Peter-Johannes Schuler, Regesten zur Herrschaft der Grafen von Württemberg 1325–1378 (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte, N. F., H. 8), Paderborn 1998; ders., Die spätmittelalterliche Vertragsurkunde. Untersucht an den Urkunden der Grafen von Württemberg 1325–1392 (Quellen und Forschungen aus dem Gebiet der Geschichte, N. F., H. 14), Paderborn 2000; Der württembergische Hof im 15. Jahrhundert, hg. von Peter Rückert (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B, Bd. 167), Stuttgart 2006.

Hon.-Prof. Dr. phil. Robert Kretzschmar
Vom mittelalterlichen Urkundenarchiv zur Sicherung digitaler Bestände. Archivgeschichte als Gesellschafts- und Kulturgeschichte
Blockseminar – 23. Oktober, 13. November, 27. November, 11. Dezember 2009, 15. Januar, 22. Januar 2010 jeweils 14.15 bis 17.00 Uhr
2 st., Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: Hauptstaatsarchiv Stuttgart: Konrad-Adenauer-Str. 4, 70173 Stuttgart.

Inhalt: In dem Hauptseminar soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Entwicklung der Institution „Archiv“ und der archivalischen Überlieferung vom frühen Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart als Teil der Gesellschafts- und Kulturgeschichte beschreiben lässt. Während im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Sicherung von Herrschaftsrechten das Motiv der Archivierung war, öffneten sich die Archive 19. Jahrhundert als Forschungsstätten. Heute verstehen sie sich zudem  als „Agenten der Erinnerung“ und Teil der demokratischen Wissensgesellschaft.  Durch die Verbindung archivgeschichtlicher Betrachtungen mit hilfswissenschaftlichen Fragestellungen sollen zugleich Ansätze zu eine zeitgemäßen Quellenkunde erarbeitet werden. Der Bogen reicht dabei von der mittelalterlichen Urkunde über frühe Formen des Aktenwesens, Amtsbücher, Karten und Fotografien bis hin zu den gleichförmigen Massenakten des 20. Jahrhunderts  und digitalen Überlieferungen der Gegenwart. Hierzu wird beispielhaft auf Archivalien im Hauptstaatarchiv Stuttgart zurückgegriffen; paläografische Vorkenntnisse sind jedoch nicht erforderlich. Im Seminar wird gemeinsam mit Quellen gearbeitet. Erwartet werden von den Teilnehmern neben der regelmäßigen Mitarbeit ein Kurzreferat und eine Hausarbeit.

Literatur: Literaturhinweise werden laufend gegeben. Zur ersten Orientierung: Friedrich Beck/Eckart Henning (Hrsg.): Die archivalischen Quellen. Mit einer Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften. 4. Aufl. 2004

Vorlesungen | Einführungsveranstaltung | Repetitorium | Übungen | Proseminare | Hauptseminare | Kolloquien und Oberseminare

Kolloquien und Oberseminare

Prof. Dr. Ewald Frie /Prof. Dr. phil. Klaus Gestwa /Prof. Dr. Mischa Meier /Prof. Dr. Steffen Patzold
Ordnungen und Bedrohungen von der Antike bis zur Gegenwart
2 st., Fr 14:00–18:00
Beginn:
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Ort: s. Aushang.

Prof. Dr. phil. Irmgard Männlein-Robert /Prof. Dr. Mischa Meier /Prof. Dr. Steffen Patzold
Mini-Graduiertenkolleg "Osten und Westen 400–600. Das Auseinanderdriften zweier Teilräume des Imperium Romanum in Spätantike und Mittelalter: Ursachen, Verlauf und Folgen"
2 st., Link zum Campus-System

Bemerkungen:

Inhalt:

Literatur:

Prof. Dr. Steffen Patzold /Prof. Dr. Ellen Widder
Kolloquium für Fortgeschrittene Studierende, ExamenskandidatInnen und DoktorandInnen
nach Vereinbarung. Nur auf persönliche Einladung
2 st., Mo 18:00–20:00
Ort: Raum 201
Beginn:
Link zum Campus-System

Prof. Dr. Steffen Patzold /Prof. Dr. Joern Staecker
Adam, Thietmar, Helmold und die Entdeckung einer neuen Welt – Die geschichtswissenschaftliche Perspektive
2 st., Mo 16:00–18:00
Ort: Schloss Hohentübingen, Kleiner Übungsraum Ur- und Frühgeschichte 212
Beginn: 26.10.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Raum: Schloss Hohentübingen, Kleiner Übungsraum Ur- und Frühgeschichte 212. Lateinkenntnisse sind wünschenswert.

Inhalt: Die drei Namen Adam, Thietmar und Helmold stehen für Geschichtsschreiber des 11. und 12. Jahrhunderts, die einen offenen Blick hatten für Ereignisse und Strukturen jenseits der alten Grenzen der christlichen Welt. In christlicher Tradition und mit ihren dadurch geprägten Kategorien beobachteten und schilderten die drei Historiographen Regionen und Völker im Norden und Osten, die ihnen zwar benachbart waren, aber doch fremd erschienen. In dem Oberseminar, das in Kooperation mit der Mittelalter-Archäologie durchgeführt wird, wollen wir die drei Texte lesen und ihre ethnographischen Beschreibungen analysieren. Darüber hinaus sollen die dortigen Schilderungen aber auch konfrontiert werden mit den archäologischen Befunden aus den beschriebenen Regionen selbst. Das gibt Anlaß, über die Chancen und Risiken der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Historikern und Archäologen nachzudenken.

Literatur: Der Forschungstand zum Thema wird im Seminar gemeinsam erarbeitet. Zur Vorbereitung hilfreich sind: David Fraesdorff, Der barbarische Norden. Vorstellungen und Fremdheitskategorien bei Rimbert, Thietmar von Merseburg, Adam von Bremen und Helmold von Bosau (Orbis medievalis 5), Berlin 2005; Volker Scior, Das Eigene und das Fremde. Identität und Fremdheit in den Chroniken Adams von Bremen, Helmolds von Bosau und Arnolds von Lübeck (Orbis mediaevalis 4), Berlin 2002.

Prof. Dr. Steffen Patzold / Prof. Dr. Klaus-Werner Ridder
Vormoderne-Kolloquium: Religiöses Wissen
04.12.–05.12.2009
Link zum Campus-System

Bemerkungen: Das Seminar findet im Fabri-Institut in Blaubeuren statt. Anmeldungen bitte umgehend per Mail an einen der Lehrenden: klaus.ridder@uni-tuebingen.de, steffen.patzold@histsem.uni-tuebingen.de

Inhalt: Jede Zeit stand in der Vormoderne vor der Aufgabe, den Kanon heiliger Texte und die in ihm formulierten Überzeugungen und Werte immer wieder an neue soziale und kulturelle Rahmenbedingungen anzupassen. Religiöses Wissen kann daher als das Produkt eines vielschichtigen Transformations- und Aushandlungsprozesses verstanden werden. In unterschiedlichen Formen wird es tradiert und zugleich verändert: in schriftlichen Texten, in mündlichen Erzählungen, in Bildern und Ritualen. Das Kolloquium will Formen der Transformation von Offenbarungswissen in literarischen Werken, theologischen Diskursen, in Geschichtsquellen, in Bildtraditionen und in liturgisch-rituellen Zusammenhängen in den Mittelpunkt stellen und diskutieren.