Lehrveranstaltungen Sommersemester 2000

» Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2008 - 14:28 | Eingetragen: 20. Juni 2005 - 16:53.

Vorlesungen

Prof. Dr. I. Eberl
Die Alamannen. Zur Geschichte und Kultur eines germanischen Stammes von der Zeit des Imperium Romanum bis zum Karolingerreich
2 st., Fr 16–18
Beginn: 12. Mai 2000
Ort: HS Keplerstr. 2

Inhalt: Die Vorlesung wird die Geschichte der Alamannen vom 3. bis ins 9. Jh. vorstellen. Dabei wird die Entstehung des Stammes, seine Auseinandersetzung mit dem Imperium Romanum, seine Einbindung in das Merowingerreich und die Entwicklung des alamannischen Herzogtums untersucht werden. Darüber hinaus wird auch die alamannische Siedlung, die Christianisierung des Stammes und seine kulturelle Entwicklung, wie sie sich z. B. in der Rechtsentwicklung darstellt, eingehend behandelt werden.

Literatur: R.Christlein, Die Alamannen. Archäologie eines lebendigen Volkes, Stuttgart und Aalen 21979 (31991) ist ein unveränderter Nachdruck); Gestürmt-geräumt-vergessen? Der Limesfall und das Ende der Römerherrschaft in Südwestdeutschland, hg. von H.-P. Kuhnen, Stuttgart 1992; D.Geuenich, Geschichte der Alamannen, Stuttgart-Berlin-Köln 1997; Die Alamannen. hg. vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, Stuttgart 1997.

HD Dr. L. Körntgen
Grundprobleme der früh- und hochmittelalterlichen Geschichte im Spiegel der Jahrhundertwenden (500–1200)
2 st., Di 14–16
Beginn: 9. Mai 2000
Ort: HS Keplerstr. 2

Inhalt: Die Vorlesung will in wichtige Themen und Problemstellungen der früh– und hochmittelalterlichen Geschichte einführen; die Situation im Umfeld der Jahrhundertwenden soll jeweils den Ansatzpunkt bieten, um zeittypische Fragestellungen zu erarbeiten. Dabei werden zunächst allgemeine Probleme des Frühmittelalters, dann die fränkische und schließlich die deutsche Geschichte im Mittelpunkt stehen.

Literatur: Literatur zu den einzelnen Themen der Vorlesung wird gesondert angegeben.

Prof. Dr. h.c.Dr. Dr. H. Zimmermann
Ungarn im Mittelalter
2 st., Mo 14.30–16
Beginn: 8. Mai 2000
Ort: HS Keplerstr. 2

Inhalt: Überblick über die ungarische Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der geopolitischen Situation, die Ungarn zu einem Mittler zwischen Ost und West gemacht hat.

Literatur: H. Fischer und K. Gündisch, Eine kleine Geschichte Ungarns (Suhrkamp Verlag Frankfurt 1999)

Prof. Dr. W. Hartmann
Europa im 10. Jahrhundert
2 st., Do 11–13 Uhr
Beginn: 4. Mai 2000
Ort: HS Keplerstr. 2

Inhalt: In dieser Vorlesung sollen die Tendenzen der Faktengeschichte und die Strukturen der Gesellschaft in Mitteleuropa mit denen im oströmischen und im islamischen Machtbereich verglichen werden.

Literatur: Joh. Fried, Der Weg in die Geschichte (1994); H. Fichtenau, Lebensordnungen des 10. Jahrhunderts (2 Bde, 1984).

Prof. Dr. E. Widder
Der Hundertjährige Krieg
2 st., Fr 11–13
Beginn: 5. Mai 2000
Ort: HS Keplerstr. 2

Inhalt: Der Krieg als militärische Auseinandersetzung ist ein Thema, das in der bundesdeutschen Politik des vergangenen Jahres eine unerwartete Aktualität erhalten hat. In dieser Vorlesung soll es um eine militärische Auseinandersetzung des Spätmittelalters gehen, die in die Annalen als ,Hundertjähriger Krieg‘ eingegangen ist. Ursprünglich veranlaßt durch eine dynastische Erbfolgestreitigkeit zwischen Frankreich und England, zeigten sich in dieser Auseinandersetzung tieferliegende strukturelle Probleme und Wandlungsprozesse in zwei ,fortschrittlichen‘ Königreichen des Spätmittelalters. Nicht nur den tagespolitischen Ereignissen soll daher in dieser Vorlesung Tribut gezollt, sondern es soll ebenso nach Voraussetzungen, Wandlungsprozessen und Ergebnissen dieser Auseinandersetzung in Verfassung, Gesellschaft und Wirtschaft gefragt werden.

Literatur: Guerre et société en France, en Angleterre et en Bourgogne XIVe–XVe siècle, hg.v. Ph.Contamine, Villeneuve d’Ascq (Collection Histoire et littérature régionales 8); Europa im Hoch- und Spätmittelalter, hg. v. F.Seibt, Stuttgart 1987 (Handbuch der Europäischen Geschichte 2).

Repetitorien

Akad.ORat Dr. P. Hilsch
Grundzüge der mittelalterlichen Geschichte II
2 st., Do 16–18
Beginn: 4. Mai 2000
Ort: Raum 228

Bemerkungen:Für alle Studierenden, die sich einen Überblick über die zweite Hälfte des Mittelalters verschaffen wollen. Diskussion und Mitarbeit ist erwünscht.

Inhalt: Begriff und Periodisierung des Mittelalters/Hist.-geogr. Überblick anhand von Karten/Ereignisgeschichte von der Stauferzeit (12. Jh.) bis zum Ende des Mittelalters (1500)/die Stadt/die Hanse/Ostsiedlung und Deutschordensstaat/Landesherrschaft.

Literatur: Gebhardt-Handbuch der dtsch. Gesch.1,9.A.1970; H. Fuhrmann, Dtsch.Gesch. im hohen MA, 31993; E. Meuthen, Das 15. Jh. 31996; H. Boockmann, Einf. in die Gesch.des MA’s, 6.A.1996; P. Hilsch, Mittelalter (Grundkurs Geschichte 2), 21995; H.K. Schulze, Grundstrukturen der Verfassung im MA, 3 Bde 1992–98.

Übungen

Prof. Dr. E. Widder
Prosopographie und Personenforschung
2 st., Mo 10–12
Beginn: 8. Mai 2000
Ort: Raum 119

Inhalt: Personenforschung ist ein methodischer Zugang, der der Mittelalterforschung in den letzten drei Jahrzehnten erstaunliche Impulse gegeben hat. In dieser Übung sollen Forschungsmethoden und –ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.

Literatur: Regionale Identität und soziale Gruppen im deutschen Mittelalter, hg. v. P.Moraw, Berlin 1992 (Zeitschrift für historische Forschung. Beiheft 14); Prosopographie et genèse de l’etat moderne, hg. v. F.Autrand, Paris 1986.

Dr. G. Brinkhus / Dr. M. Mersiowsky
Makulatorforschung. Bedeutung mittelalterlicher Fragmente. Übungen an Originalen (Handschriften und Urkunden) der UB
2 st., Di 16–18
Beginn: 2. Mai 2000
Ort: UB-Sitzungszimmer

Inhalt: Die Übung soll die Studierenden in die Beschäftigung mit mittelalterlichen Fragmenten als Überlieferungsträger einführen. Aufgezeigt werden Wege zur Identifikation von Texten u.a. unter Einsatz moderner Medien, Bedeutung von Fragmenten unter dem Aspekt der Kodikologie, Auswertung als Quelle für Bibliotheks- und Geistesgeschichte.

Literatur: K.Haebler: Makulaturforschung, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 25 (1908), S. 535 – 544; Mittelalterliche Handschriftenfragmente der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, bearb. V. Gerhardt Powitz, Frankfurt a.M. 1994 (Kataloge der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main 10,VI) [Historischer Lesesaal buch G 660/6 B 531]; R.G.Babcock: Reconstructing a Medieval Library. Fragments from Lambach, New Haven 1993.

Dr. P. Rückert
Der Nordschwarzwald im Mittelalter: Siedlung, Wirtschaft, Kultur
2 st., Do 16–18
Beginn: 4. Mai 2000
Ort: Raum 405

Bemerkungen: Anmeldung am Institut für Geschichtliche Landeskunde.

Inhalt: Der Nordschwarzwald ist erst im Mittelalter zu einer Kulturlandschaft geworden: Seine dauerhafte Besiedlung und Bewirtschaftung wurde im hohen Mittelalter bis auf die Höhenlagen ausgedehnt, der Wald wurde großflächig gerodet, Klöster, Burgen, Dörfer und Städte entstanden. Vor allem Klöster wie Hirsau, Herrenalb, Reichenbach oder Alpirsbach nahmen hervorraggenden Anteil an der Kultivierung des Schwarzwaldes. Sie stehen gleichzeitig für die geistliche Kultur und Spiritualität, die sich mit dieser Landschaft bis heute unmittelbar verknüpft.
Die Entwicklung des Nordschwarzwaldes soll in Hinblick auf die Aspekte Siedlung, Wirtschaft und Kultur verfolgt werden. Aktuelle Probleme und Methoden der historischen Siedlungsforschung werden dabei an konkreten Beispielen veranschaulicht. Mehrere zeitgenössische Texte sollen gemeinsam gelesen und diskutiert werden. Die Ergebnisse von Archäologie, Kulturgeographie und Namenkunde werden miteinbezogen, so daß eine Einführung in die interdisziplinär arbeitende Landeskunde vermittelt wird. Gleichzeitig dient die Übung der Zuarbeitung für das neue Nordschwarzwald-Museum in Neuenbürg, zu dem ein ausführlicher Katalogband erscheinen soll.

Literatur: Eine Literaturliste wird in der ersten Sitzung verteilt. Zur Einführung sind die einschlägigen Abschnitte in M. Schaab/H. Schwarzmaier, Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Bd. 2: Die Territorien im Alten Reich, Stuttgart 1995, geeignet, sowie die einzelnen Kapitel zu den Klöstern Alpirsbach, Hirsau und Reichenbach in der „Germania Benedictina“, Bd. 5: Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg, hg. von F. Quarthal, Ottobeuren 1975.

Prof. Dr. W. Hartmann
Regino von Prüm, De synodalibus causis:
Vorbereitung einer zweisprachigen, kommentierten Ausgabe
2 st., Di 16–18
Beginn: 9. Mai 2000
Ort: Übungsraum im osteuropäischen Institut, 1. Stock

Inhalt: Die Übung ergänzt das Hauptseminar, kann aber unabhängig von diesem besucht werden. Es sollen Probleme der Textdarbietung, der Übersetzung und der Kommentierung dieses Werks behandelt werden, das in der Freiherr-vom-Stein-Ausgabe erscheinen soll.

Literatur: Regino von Prüm, Libri duo de synodalibus causis, hg. von F.G.A. Wasserschleben (1840).

O. Auge
Ausgewählte Quellen zur württembergischen Geschichte (11.-16. Jh):
Quelleninterpretation mit Tagesexkursion

2 st., Fr. 10–12 Uhr
Beginn: 5. Mai 2000
Ort: Raum 405

Bemerkungen: Übung im Sinne der ZPO, Exkursionsscheine werden auf Wunsch ausgestellt. Bereitschaft zur Übernahme von Kurzreferaten wird erwartet. Anmeldung im Institut für Geschichtliche Landeskunde.

Inhalt: In der Übung sollen zentrale Quellen zur württembergischen Geschichte des 11. bis 16. Jahrhunderts gemeinsam gelesen und in den jeweiligen Kontext ihrer Zeit gestellt werden. Parallel dazu werden wir die Orte, die mit der Entstehung der besprochenen Quellen in gewisser Beziehung standen, aufsuchen (etwa die Burg Württemberg, Stift Beutelsbach, Residenz Urach usw.). Ebenso ist daran gedacht, einige der behandelten Texte (Münsinger Vertrag z. B.) im Original im Hauptstaatsarchiv Stuttgart einzusehen. Die Übung eignet sich besonders für Anfängersemester, die das Land, in dem sie studieren, und seine Geschichte näher kennenlernen wollen.

Literatur: Zur Einführung: Dieter Mertens, Würrtemberg, in: Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte, Bd. 2: Die Territorien im Alten Reich. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde hrsg. von Meinrad Schaab und Hansmartin Schwarzmaier, Stuttgart 1995, S. 1–163.

Dr. S. Holtz
Frömmigkeitsformen im Europa des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Text- und Bildquellen zur Mentalitätsgeschichte.
2 st., Do 14–16
Beginn: 4. Mai 2000
Ort: Raum 405

Bemerkungen: Anmeldung im Institut für Geschichtliche Landeskunde.

Inhalt: Am Beispiel von Text- und Bildquellen des 15. bis 18. Jahrhunderts soll der Frage nachgegangen werden, auf welche Weise und wie intensiv das Christentum kollektive Vostellungen und Verhaltensweisen in Europa geprägt hat. Dabei läßt sich eine – durch Reformation und Konfessionalisierung noch vergrößerte – Differenz zwischen den Lehren der Kirche(n) und dem, was das Volk glaubte, feststellen. Im Extrem stand dem Bedürfnis nach einer Bewältigung des Alltags, unter Einbeziehung der Religion in die konkrete Arbeits- und Lebenswelt der einfachen Leute, das postulierte Ideal einer Religiosität entgegen, die, befreit von materiellen Interessen, allein auf eine moralische Verwirklichung des Glaubens ausgerichtet war. Es müssen deshalb die Praktiken der Volksfrömmigkeit wie des konfessionellen Christentums berücksichtigt werden. Seit wann konkurrierten innerweltlliche Argumentationen mit religiösen Deutungsangeboten?

Literatur: Lehmann, H. / Trepp, A.-Ch. (Hgg.): Im Zeichen der Krise. Religiosität im Europa des 17. Jahrhunderts. Göttingen 1999 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 152). – Van Dülmen, R.: Religion und Gesellschaft. Beiträge zu einer Religionsgeschichte der Neuzeit. Frankfurt /M. 1989. – Raulff, U. (Hg.): Mentalitäten-Geschichte. Zur historischen Rekonstruktion geistiger Prozesse. Berlin 1987.

Kolloquien

Prof. Dr. W. Hartmann
Kolloquium zur Vorlesung: Europa im 10. Jahrhundert
2 st., Do 14.30–16 (14-täglich)
Beginn: 11. Mai 2000
Ort: Raum 221

Inhalt: Im Kolloquium sollen einige zentrale Quellen zur Vorlesung behandelt und ausgewählte Forschungsprobleme diskutiert werden.

Literatur: s. Literatur zur Vorlesung Nr. 7.

Prof. Dr. E. Widder
Kolloquium zur Vorlesung: Der Hundertjährige Krieg
2 st., Mi 14–16
Beginn: 10. Mai 2000
Ort: Raum 221

Inhalt: Das Kolloquium wendet sich an Studierende aller Semester. Hier sollen die in der Vorlesung behandelten Themen in Diskussion neuerer Forschungsliteratur und in Lektüre ausgewählter Quellen vertieft werden.

Literatur: s. Literatur zur Vorlesung Nr. 8.

Proseminare

HD Dr. L. Körntgen
Das Kaisertum im Früh- und Hochmittelalter
2 st., Mi 16–18
Beginn: 3. Mai 2000
Ort: Raum 119

Inhalt: Das Proseminar will in Fragestellungen und Arbeitstechniken der mittelalterlichen Geschichtsforschung einführen. Die Probleme um Entstehung und Entwicklung des abendländischen Kaisertums erscheinen geeignet, um zentrale Fragen der politischen Geschichte des Früh- und Hochmittelalters vorzustellen.

Literatur: H.W. Goetz, Proseminar: Mittelalter (UTB 1719) 1993.

AkadORat Dr. P. Hilsch
Thietmar von Merseburg: Der Chronist der Zeitenwende
2 st., 1. Gruppe: Di 10–12
2. Gruppe: Fr 9–11
Beginn: 1. Gruppe: 2. Mai; 2. Gruppe: 5. Mai 2000
Ort: Raum 228

Bemerkungen: Bitte persönliche Anmeldung in den Sprechstunden. Latinum erforderlich. Besonders Studienanfängern wird der Besuch der begleitenden Übung empfohlen.

Inhalt: Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg (975–1018) ist eine der eindrucksvollsten histor. Quellen des Mittelalters – von zentraler Bedeutung für die Zeit der Könige Otto II. und III. sowie besonders Heinrichs II. Wie kaum eine andere bietet sie zudem Einblick in die Mentalität der Gedankenwelt eines hochadligen Klerikers.

Literatur: Die Chronik ist auch in einer zweisprachigen Ausgabe verfügbar; H.Lippelt, Thietmar v. Merseburg, 1973;. G. Althoff, Thietmar v. Merseburg, in: LexMA Bd. 8 (1997), Sp. 694–696 (mit weit. Lit.); G.Althoff/E. Schubert (Hgg.), Herrschaftsrepräsentation im otton. Sachsen, 1998.

Dr. E. Frauenknecht
Die mittelalterliche Stadt: Vielfalt und Einheit
2 st., Mo 14–16
Beginn: 8. Mai 2000
Ort: Raum 119a

Bemerkungen: Lateinkenntnisse sind erforderlich. – Das Seminar wird voraussichtlich von einem Tutorium begleitet. – Anmeldungen in der Sprechstunde oder im Sekretariat, Zi. 214, möglich.

Inhalt: Die uns heute geläufige Erscheinungsform einer mittelalterlichen Stadt ist geprägt durch ein spezifisch spätmittelalterliches Stadtbild: Stadtmauern und befestigte Türme, im Inneren enge Gassen, dazu die Dominanz von Kirchengebäuden. Doch dieser scheinbar einheitliche Typus täuscht, denn der Blick auf Strukturen und Funktionen liefert eine Typenvielfalt, die zudem noch zeitlich sehr verschieden sein kann: Städte mit antiken Wurzeln stehen neben Gründungsstädten oder den sogenannten Klein- oder Minderstädten, die für das Spätmittelalter charakteristisch sind. Rückt man wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund, so dominiert der Typus der Marktorte oder Handelsstädte. Die Frage nach einem Stadtherrn stellt sich bei einer rechtlichen Unterscheidung: Reichsstädte, Freie Städte oder landesherrliche Städte bilden hier eigene Kategorien.
Das Proseminar will anhand ausgewählter Beispiele das Phänomen der mittelalterlichen Stadt vorstellen. Dabei sind die zu untersuchenden topographischen, rechtlichen oder sozialen Aspekte des Themas gut geeignet, um gleichzeitig in methodische Probleme der mittelalterlichen Geschichte einzuführen.

Literatur: Methodische Einführung: Hans-Werner Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter (1993). Zum Thema: Hartmut Boockmann, Die Stadt im späten Mittelalter (3. Durchges. Auflage 1994). – Edith Ennen, Die europäische Stadt des Mittelalters (4. verb. Aufl. 1987). – Eberhard Isenmann, Die deutsche Stadt im Spätmittelalter. 1250–1500. Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft (1988).

Dr. K. Görich
Richard Löwenherz und der 3. Kreuzzug
2 st., Mi 18–20
Beginn: 3. Mai 2000
Ort: Raum 228

Bemerkungen: Lateinkenntnisse sind erforderlich. Bitte persönliche Anmeldung in der Sprechstunde (ab sofort möglich). Das Seminar wird voraussichtlich von einem Tutorium begleitet.

Inhalt: Bei der Eroberung Akkons während des dritten Kreuzzugs ließ der englische König Richard I. die Fahne des österreichischen Herzogs Leopold niederreißen. Der beleidigte Fürst rächte sich, indem er den König auf dessen Rückreise aus Palästina bei Wien gefangennahm. Gefangennahme und Lösegelderstattung, aber auch Richards Konflikt und Aussöhnung mit dem französischen König sowie seine Teilnahme am dritten Kreuzzug werden schwerpunktmäßig zu behandeln sein – allerdings nicht als bloße Episoden aus dem Leben einer schon vor ihrem Tod legendären Persönlichkeit, sondern als Ereignisse, an denen sich exemplarisch typische Verhaltensweisen und Wertvorstellungen der adlig-ritterlichen Gesellschaft des Mittelalters aufzeigen lassen.

Literatur: Einführender Überblick: K.-F. Krieger, Geschichte Englands von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München 1994, S. 126–149; J.Gillingham, The Life and Times of Richard I, London 1973; H.Fichtenau, Akkon, Zypern und das Lösegeld für Richard Löwenherz, in: Ders., Beiträge zur Mediävistik, Bd. 1, 1975, S. 239–258; J.Gillingham, Richard Coeur de Lion. Kingship, Chivalry and War in the Twelfth Century, 1994.
Begleitende Übung zum Proseminar:

AkadORat Dr. P. Hilsch
Thiemar von Merseburg: Der Chronist der Zeitenwende
2 st., Di 16–18
Beginn: 9. Mai 2000
Ort: Raum 221

Bemerkungen: Für Teilnehmer des Proseminars Nr. 47. Keine Übung im Sinne der Zwischenprüfungsordnung.

Inhalt: In Verbindung mit anstehenden Inhalten und Problemen der Proseminars werden folgende Themen angeboten: Bibliotheksführung, Bibliographieren und Zitieren, Arbeits- u. Lehrformen im Geschichtsstudium, das Mittellatein, einige Histor. Hilfswissenschaften (hist. Geographie, Chronologie, Genealogie), Grundbegriffe der Geschichtstheorie.

Literatur: H.W. Goetz, Proseminar Geschichte: Mittelalter, 1993 (utb). Siehe auch die Allgemeine Literaturliste Mittelalter, die bereits erhältlich ist.

Hauptseminare

HD Dr. L. Körntgen
Nachbarschaft und Grenzen im Früh- und Hochmittelalter
2 st., Mo 16–18
Beginn: 8. Mai 2000
Ort: Raum 119

Inhalt: Zu den verbreiteten Voraussetzungen aktueller Mittelalterforschung gehört die Erkenntnis, daß die tradierte nationalgeschichtliche Perspektive den politischen und kulturellen Verhältnissen des Mittelalters nicht gerecht wird. Der Blick auf Nachbarschaft und Grenzen kann deshalb wichtige Ergänzungen bieten; vor allem ist zu fragen, welche Bedeutungen soziale, herrschaftliche, kulturelle und religiöse Bindungen besitzen, die über politische Grenzen hinweggreifen. Ausgehend vom frühmittelalterlichen Frankenreich und vom hochmittelalterlichen deutschen Reich soll im Seminar untersucht werden, wie sich politische Grenzen auf die jeweiligen Grenzräume auswirken: Handelt es sich jeweils um Kontakt-, Vermittlungs- und Konfliktzonen oder (auch) um eigenständige politische/kulturelle Räume?

Literatur: H.W. Nicklis, Von der „Grenitze“ zur Grenze. Die Grenzidee des lateinischen Mittelalters (6.–15. Jh.), in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 128 (1992) S. 1–30.

PD Dr. G. Schmitz
Glaube – Aberglaube – Ketzerei. Formen der Religiosität in Früh- und Hochmittelalter
2 st., Fr 9–11
Beginn: 5. Mai 2000
Ort: Raum 221

Bemerkungen: Lateinkenntnisse erforderlich, Hausarbeit; bitte frühzeitige Anmeldung im Sekretariat oder e-mail:gerhard.schmitz@mgh.de Sprechstunde nach der Veranstaltung.

Inhalt: Was wird in der Frömmigkeitskultur einer archaischen Gesellschaft, die sich von außer- und überirdischen Mächten umgeben weiß, unter „Glauben“ (dessen Annahme mit einem Herrschaftswechsel identisch sein könnte) verstanden, was wird als ,Aberglaube‘ oder ,Häresie‘ wahrgenommen? Wie verläuft der Weg von einem Glauben, der sich in der Beherrschung ritueller Techniken manifestiert zu einem verinnerlichten (und damit subjektivierten), und welche gesellschaftlichen Veränderungen bilden den Nährboden für die sich stets verändernden religiösen Ausdrucksformen?

Literatur: Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter (1997); Harmening, Dieter, Superstitio: Überlieferungs- und theoriegeschichtliche Untersuchungen zur kirchlich-theologischen Aberglaubensliteratur des Mittelalters (1979).

Prof. Dr. W. Hartmann
Regino von Prüm († 915) Historiker und Kanonist
2 st., Mi 16–18
Beginn: 3. Mai 2000
Ort: Raum 119a

Inhalt: Regino von Prüm († 915) ist als Geschichtsschreiber, Musiktheoretiker und Verfasser eines Handbuchs zum Kirchenrecht hervorgetreten. Seine Chronik wurde viel benutzt und sein kirchenrechtliches Werk hatte eine große Bedeutung für die Praxis des bischöflichen Gerichts. Er hat außerdem ein Verzeichnis der Güter und Einkünfte des Klosters Prüm angelegt.

Literatur: G. Schmitz, in: Verfasserlexikon, Bd. 7 (21989) Sp. 1115–1122 (mit Literaturangaben).

Prof. Dr. E. Widder
Jeanne d’Arc
2 st., Di 16–18
Beginn: 2. Mai 2000
Ort: Raum 228

Inhalt: Jeanne d’Arc ist eine bis heute faszinierende Gestalt, wobei es angesichts ihrer vielfältigen Rezeption schwer fällt, die Grenze zwischen Heiliger, Politikerin, politischer Heiliger und historischer Persönlichkeit zu ziehen. Diesen Fragen soll im Hauptseminar vor dem Hintergrund ihrer Zeit – der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert nachgegangen werden.

Literatur: G.Krumeich: Jeanne d’Arc in der Geschichte: Historiographie – Politik – Kultur. Sigmaringen 1989 (Beihefte der Francia 19); Jeanne d’Arc oder wie Geschichte eine Figur konstruiert, hg. v. H.Röckelein, Freiburg i.Br. u.a. 1996 (Frauen – Kultur – Geschichte 4).

Für Fortgeschrittene

Prof. Dr. W. Hartmann/ Prof. Dr. E. Widder
Kolloquium für Doktoranden, Magistranden und Examenskandidaten
1 st., nach Vereinbarung (14-täglich)
Beginn: nach Vereinbarung
Ort: s. Aushang

Exkursion

O. Auge
Tagesexkursionen zur Übung: Ausgewählte Quellen zur württembergischen Geschichte (11.-16. Jh): Quelleninterpretation mit Tagesexkursionen
2 st., Fr. 10-12 Uhr
Beginn: 5. Mai 2000
Ort: Raum 405

Bemerkungen: Übung im Sinne der ZPO, Exkursionsscheine werden auf Wunsch ausgestellt. Bereitschaft zur Übernahme von Kurzreferaten wird erwartet. Anmeldung im Institut für Geschichtliche Landeskunde.

Inhalt: In der Übung sollen zentrale Quellen zur württembergischen Geschichte des 11. bis 16. Jahrhunderts gemeinsam gelesen und in den jeweiligen Kontext ihrer Zeit gestellt werden. Parallel dazu werden wir die Orte, die mit der Entstehung der besprochenen Quellen in gewisser Beziehung standen, aufsuchen (etwa die Burg Württemberg, Stift Beutelsbach, Residenz Urach usw.). Ebenso ist daran gedacht, einige der behandelten Texte (Münsinger Vertrag z. B.) im Original im Hauptstaatsarchiv Stuttgart einzusehen. Die Übung eignet sich besonders für Anfängersemester, die das Land, in dem sie studieren, und seine Geschichte näher kennenlernen wollen.

Literatur: Zur Einführung: D.Mertens, Württemberg, in: Handbuch der Baden-Württembergischen Geschichte, Bd. 2: Die Territorien im Alten Reich. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde hrsg. von M.Schaab und H.Schwarzmaier, Stuttgart 1995, S. 1-163.